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Lena Lasshoff, Ergotherapeutin, mit ihren Kolleginnen

Arbeiten als Ergotherapeutin – ein Interview mit Lena Lasshof

Zusammenfassung: Lena Lasshof ist Ergotherapeutin an der kbo-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Fürstenfeldbruck und auf der Einheit P2 Sucht und Psychiatrie tätig. Die kbo-Klinik in Fürstenfeldbruck gibt es seit 2016. Lena Lasshof ist von Beginn an dabei. Im Interview spricht sie über Beziehungsarbeit mit Patientinnen und Patienten, das Besondere an der Arbeit in psychiatrischen Bereich und tägliche Herausforderungen.

Von Aline Ehrenreich am

Themen:

Frau Lasshof, wie sieht die Arbeit als Ergotherapeutin bei kbo aus? Welche Aufgaben und Therapien übernehmen Sie?

Die Patientinnen und Patienten haben bei uns die Möglichkeit, stationär, tagklinisch (Montag bis Freitag, 6 Stunden am Tag), intensivambulant (3-mal pro Woche zu bestimmten Therapien) behandelt und/oder überbrückend ambulant (1- bis 2-mal pro Woche) weiter angebunden zu sein. Ich bin in allen Angeboten vertreten und biete für die Patientinnen und Patienten in diesem Rahmen Gruppen- und Einzeltherapien an.
In den letzten vier Jahren habe ich eine Weiterbildung in der DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie) sowie im traumasensiblen Yoga absolviert, worauf ich auch einige meiner Therapien aufbaue.
In den Gruppentherapien zu den Themen Alltagsstruktur, Umgang mit Gefühlen, zwischenmenschliche Fertigkeiten, traumasensibles Yoga und kreatives Arbeiten verfolgen wir verschiedene Ziele: das Erlernen der Achtsamkeit, dadurch die Wahrnehmung und Regulation der eigenen Anspannung und Gefühle, die Stärkung des Selbstvertrauens, der Konzentration, Ausdauer und Frustrationstoleranz, die Förderung der Entscheidungsfähigkeit und oft auch das Erleben der eigenen Kreativität und somit einer Selbstwirksamkeitserfahrung und Ressourcenstärkung.
Die Themen, die ich in den Gruppen behandle, können jederzeit in einer Einzeltherapie nachbesprochen oder erarbeitet werden.

Wie sieht die Zusammenarbeit auf der Einheit aus? Mit welchen anderen Berufsgruppen haben Sie zu tun?

Wir sind auf der Einheit in einem engen multiprofessionellen Austausch mit Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pflegern, Ärztinnen und Ärzten, Bewegungstherapeutinnen und -therapeuten, Kunsttherapeutinnen und -therapeuten, Sozialpädagoginnen und -pädagogen und Psychologinnen und Psychologen.
Die Psychiatrie ist ein sehr sensibler Bereich. Da ist es wichtig, dass wir uns aufeinander verlassen können. Zudem trägt ein gutes Team erheblich zu reibungslosen Arbeitsabläufen zwischen Personal und Patientinnen und Patienten bei. Für eine gute Kommunikation haben wir deshalb regelmäßige Besprechungen: Jeden Morgen haben wir ein Übergabegespräch mit allen Berufsgruppen. Einmal pro Woche halten wir im mutiprofessionellen Team eine Therapieverlaufskonferenz gemeinsam mit jedem Patienten ab. Das Ziel ist es, ein Miteinander zu schaffen und offen mit der Patientin oder dem Patienten zu besprechen, wo es im weiteren Behandlungsverlauf Unterstützungsbedarf gibt. Zusätzlich haben wir einmal pro Woche eine Verlaufsbesprechung, in der wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über den Prozess der Patienten informieren, zusammen den Behandlungsablauf evaluieren und weitere mögliche Schritte erarbeiten, die im Anschluss mit der Patientin oder dem Patienten besprochen werden können.

Wie gestalten sich die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten? Gibt es auch einen fachtherapeutischen Austausch mit anderen Therapeutengruppen?

Nachdem wir unter den Fachtherapeuten ein relativ kleines Team von zehn Mitarbeitenden sind, haben wir uns dazu entschlossen, die organisatorischen Treffen fachübergreifend zu halten, also mit den Kunsttherapeutinnen und -therapeuten und den Bewegungstherapeutinnen und -therapeuten. Hier tauschen wir uns alle sechs Wochen aus. Zusätzlich haben wir Intervisionen etabliert, zu denen wir uns ebenfalls alle sechs Wochen treffen, um uns gegenseitig bei Lösungsstrategien im Patientenkontakt zu unterstützen. 
Sollte es spezielle Themen geben, die nur die Ergotherapeutinnen und -therapeuten betreffen, haben wir jederzeit die Möglichkeit, ein Treffen spontan zu initiieren oder über E-Mail und Telefon Kontakt aufzunehmen. 

Als Ergotherapeutin kann man in verschiedensten Bereichen arbeiten – warum haben Sie sich für die Arbeit in einem psychiatrischen Krankenhaus entschieden?

Vor meiner Ausbildung habe ich durch Praktika in einer ergotherapeutischen Praxis, einem Therapiezentrum und in der psychiatrischen Abteilung des Klinikums rechts der Isar bereits verschiedene Bereiche der Ergotherapie kennengelernt. Hier hat sich dann das Interesse für den psychiatrischen Bereich gebildet. Im Gegensatz zu den anderen Einrichtungen gibt es hier das wertvolle Gut der Zeit. Zeit für Gespräche, Zeit um zuzuhören. Nah am und mit dem Patienten zu arbeiten, ermöglicht mir, Beziehungen mitzugestalten und Ideen einzubringen.

Wie unterscheidet sich die Arbeit in einem psychiatrischen Krankenhaus von der Arbeit als Ergotherapeutin in der Somatik?

In der Somatik dreht es sich hauptsächlich um das Wiedererlangen der eingeschränkten oder verloren gegangenen Körperfunktionen. Mein Schwerpunkt in der Klinik liegt hingegen im psychisch-funktionellen Bereich der Ergotherapie. Es geht mehr darum, Beziehungen aufzubauen und zu gestalten. Ganz wichtig sind das Einüben neuer Denkmuster und die Förderung des Selbstvertrauens. Dazu gehört beispielsweise, Menschen in Krisen zu begleiten und sie zu unterstützen, diese Krise zu bewältigen, Menschen in ihrer Selbstständigkeit zu fördern und gemeinsam geregelte Alltagsstrukturen zu erarbeiten, ohne in die alten Verhaltensmuster zurückzufallen. Dazu müssen die Motivation, die Belastbarkeit und die Ausdauer gestärkt werden – all das erfordert viel Vertrauen und Einfühlungsvermögen. All das ist natürlich nicht während eines kurzen Aufenthalts möglich, jedoch können wir die Grundsteine dafür mit der Patientin oder dem Patienten legen.

Wo liegen die Herausforderungen bei Ihrer Arbeit?

Bei uns auf der Behandlungseinheit P2 (Sucht und Psychiatrie) gibt es einen relativ hohen Patientenwechsel, da eine reine Entgiftung circa 10-14 Tage dauert. Aus diesem Grund sind eine schnelle Kontaktaufnahme zum Patienten und ein schneller Einstieg in die ergotherapeutische Behandlung erforderlich, um Patientinnen und Patienten bestmöglich zu unterstützen.
Zudem werde ich bei meiner Arbeit mit unterschiedlichen Schicksalen konfrontiert, die mich manchmal auch noch länger beschäftigen. Hier ist eine gute Psychohygiene in Form von einem Austausch unter Kollegeninnen und Kollegen, Supervision und auch einem Ausgleich zu Hause besonders wichtig.

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Besonders die Vielseitigkeit in diesem Beruf schätze ich sehr, die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie den Wechsel des Patientenklientels. Die unterschiedlichen Charaktere der Patienteninnen und Patienten erfordern Flexibilität und Individualität in der Therapieplanung und jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Das macht die Arbeit sehr abwechslungsreich.

Vielen Dank für das Gespräch.

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