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Ruth Jordan, stellvertretende Pflegedienstleiterin beim kbo-Ambulanten Psychiatrischen Pflegedienst

Arbeiten in der ambulanten psychiatrischen Pflege – ein Interview mit Ruth Jordan

Zusammenfassung: Wie sieht die Arbeit beim kbo-Ambulanten Psychiatrischen Pflegedienst aus? Ruth Jordan ist dort stellvertretende Pflegedienstleiterin und berichtet im Interview von ihrem Berufsalltag und von der Beziehungsarbeit mit Klientinnen und Klienten. Und sie verrät, warum der Job für sie trotz Herausforderungen ein absoluter Traumjob ist.

Von Aline Ehrenreich am

Themen:

Wie sieht ein typischer Arbeitstag beim kbo-Ambulanten Psychiatrischen Pflegedienst (kbo-APP) aus? 

Der typische Arbeitstag beginnt mit der Anfahrt zum Dienstwagen. Hier beginnt in der Regel unsere Dienstzeit. Meiner steht in der Zamdorfer Straße, Berg am Laim. Es gibt aber noch andere festgelegte Parkmöglichkeiten innerhalb Münchens, denn nicht alle Kolleginnen und Kollegen wohnen im Münchner Osten und hätten so einen langen Anfahrtsweg zum Dienstauto. Dann fahre ich zu meinem ersten Klienten beziehungsweise meiner ersten Klientin. Die Termine haben wir vorab gemeinsam festgelegt, so dass die Klientinnen und Klienten wissen, wann ich sie aufsuche. Gemeinsam erledigen wir Dinge, die für die Person hilfreich sind: entlastende Gespräche, Expositionstraining, gemeinsam spazieren oder einkaufen gehen oder auch mal gemeinsam in den Biergarten. Training mit dem öffentlichen Nahverkehr ist häufig ein Thema. Auch die Begleitung zum Arzt oder zu Ämtern sowie Angehörigengespräche, Medikamententraining, Psychoedukation. Vieles ist in der Beziehungsarbeit möglich. Eine ältere Dame hatte den dringenden Wunsch, mit mir (und ihrem Rollator) auf die Auer Dult zu gehen. 
Im Tagesablauf geht es anschließend weiter zum nächsten Termin. Insgesamt besuche ich pro Tag zwischen drei und fünf Leute. Hier sind die Stunden entscheidend, die ich bei den Personen verbringe. 

Wie groß ist das Team beim kbo-APP? 

Derzeit sind wir insgesamt zwölf Pflegekräfte, davon acht mit der Fachweiterbildung Psychiatrie und eine Kollegin in der Weiterbildung. Der kbo-APP bietet die Möglichkeit dieser Weiterbildung. Obwohl wir einzeln arbeiten, haben wir doch untereinander eine große Teamzusammengehörigkeit. Außerdem sind wir in Regionalteams zu circa vier Leuten unterteilt. Wir arbeiten in den Münchner Bereichen Osten, Norden, Süden und Westen. In jedem Bezirk gibt es verschiedenste Hilfsangebote, wie Sozialpsychiatrische Dienste/Gerontopsychiatrische Dienste, Tagesstätten, Alten-und Servicecenter, Nachbarschaftshilfe, Volkshochschule usw. Hier werden wir vorstellig, damit wir Anbindungsmöglichkeiten finden. Da unsere Klientinnen und Klienten verschiedene Psychiaterinnen und Psychiater haben, ist die Zusammenarbeit mit den einzelnen Ärztinnen und Ärzten unterschiedlich. Das beinhaltet, sowohl die Ärztinnen und Ärzte aus den Kliniken als auch die niedergelassenen. Im Allgemeinen wird unser Dienst sehr geschätzt, was sich an den hohen Nachfragen bemerkbar macht.

In der Pflege kann man in verschiedensten Bereichen arbeiten – warum haben Sie sich für die Arbeit beim kbo-APP entschieden?

Ganz klar, ich wollte keinen Schichtdienst mehr arbeiten. Regelmäßige Arbeitszeiten und die Wochenenden frei zu haben, hat maßgeblich zu meiner Gesunderhaltung beigetragen. Trotzdem nehme ich auch mal unter der Woche frei. Wenn ich genügend Überstunden und meine Klientinnen und Klienten keinen Besuchsbedarf haben, klappt das prima. Es ist definitiv mein Traumjob und meine Vorstellung von psychiatrischer Pflege – auf Augenhöhe und im respektvollen Umgang miteinander.

Wo liegen die Herausforderungen bei Ihrer Arbeit?

Das Versorgungsmanagement ist unsere Herausforderung. Unsere Klientinnen und Klienten bleiben nur vier Monate bei uns, in diesem Zeitrahmen organisieren wir die Zeit nach der Behandlung bei uns. Was braucht der-/diejenige? Wo liegt der Hilfebedarf? Hier muss man sich schnell einen Überblick verschaffen, denn Angebote, wie ein Betreutes Einzelwohnen brauchen eine gewisse Vorlaufzeit in der Anmeldung.

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Die Freiheit. Ich kann hier sehr selbstständig arbeiten. Und die Bezugspersonenarbeit. Es entstehen sehr gute vertrauensvolle Kontakte zu den Klientinnen und Klienten. Meine Einschätzung der Klientinnen und Klienten ist entscheidend. Mit ihnen zusammen erstelle oder bespreche ich die Pflegeplanung und lege die Behandlungsziele fest. In meiner Tourenplanung und Tagesgestaltung bin ich unabhängig. Die Fixpunkte sind hier die 7,7 Stunden Arbeitszeit und die sogenannte Auslastung. Das ist die Arbeit am Klienten/ an der Klientin, die wir mit den Kassen abrechnen können, um wirtschaftlich zu bleiben. Und hoffentlich werden wir bald einen Satelliten – also eine kbo-APP-Zweigstelle – außerhalb von München anstoßen. Das finde ich sehr spannend, etwas Neues auf die Beine stellen. Das ist eine sehr aufregende Sache und von einem besonderen Spirit begleitet.

Mehr Infos zum kbo-Ambulanten Psychiatrischen Pflegedienst:

Der kbo-Ambulante Psychiatrische Pflegedienst (kbo-APP) ist ein aufsuchend tätiges ambulantes psychiatrisches Pflegeangebot von kbo. Gegründet im Jahr 2011 ist er bisher der einzige psychiatrische Pflegedienst in ganz Bayern. 
Der kbo-APP bringt Pflegeleistungen zu den Klientinnen und Klienten nach Hause. Eine der Aufgaben des Dienstes ist die Förderung des Alltagsmanagements der Klientinnen und Klienten unter Einbezug von Angehörigen und dem persönlichen Umfeld. Der Schwerpunkt liegt darauf, gemeinsam das Krankheitsgeschehen zu bewältigen und die Funktion des Alltags so weit wie möglich aufrechtzuerhalten bzw. wiederzuerlangen.
Mehr Infos erhalten Sie auf der Website des kbo-Ambulanten Psychiatrischen Pflegediensts

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