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Auszubildende Christina Nitzsche

"Ich wachse mit den Menschen."

Zusammenfassung: Christina Nitzsche hat die Psychiatrische Pflege schon immer spannend
gefunden. In ihrer Ausbildung lernt sie auch viel von ihren Patientinnen und Patienten.

Von Nina Schinharl am

Themen:

Christina Nitzsche befindet sich im dritten Lehrjahr zur Pflegefachfrau. Die 26-Jährige kam in Boston, USA, auf die Welt. Ihre Ausbildung absolviert sie im kbo-Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen (Vils).

Christina, was hat Dich dazu bewegt, eine Ausbildung im Gesundheitswesen zu beginnen?
Christina Nitzsche:
Meine große Schwester hatte vor einigen Jahren selbst die Ausbildung zur examinierten Gesundheits- und Krankenpflegerin absolviert. Sie hatte als externe Schülerin damals einen Einsatz bei kbo machen dürfen und davon nur Positives zu berichten gehabt. Da ich die psychiatrische Pflege vom Bereich her am spannendsten finde, habe ich mich selbst für eine Ausbildung bei kbo entschieden. 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?
Es kommt ganz darauf an, ob ich in der Schule oder in einem Praxiseinsatz bin. In der Schulzeit haben wir einen getakteten Ablauf, wir bekommen bereits im Voraus unsere Stundenpläne und können uns somit gut auf Klausuren und Kurzarbeiten vorbereiten. Der Schulalltag ähnelt sehr dem Ablauf an einer Regelschule. 

Wenn ich auf einer Station arbeite, hängt es von der Fachrichtung ab, welche Aufgaben ich übernehmen darf. Seit Ende des zweiten Ausbildungsjahres darf ich größtenteils selbstständig arbeiten. Das Erlernen der Grundpflege von Patientinnen und Patienten, die Vitalzeichenmessung, Patientenbeschäftigung und das Kennenlernen der generellen Stationsabläufe erfolgen zum Großteil im ersten Ausbildungsjahr.

Derzeit liegt bei mir der Fokus auf der Aufnahme von Patientinnen und Patienten, Medikamentengabe, der Erhebung von Assessments und der Erstellung von Pflegeplanungen. Auf den psychiatrischen Stationen von kbo gibt es oft keinen festen Tagesablauf – man kann nie wissen, was einen erwartet. Dies hängt immer von den Patientinnen bzw. Patienten und deren Krankheitsbildern ab. 

Welche Rolle spielt für Dich der Kontakt zu Patienten und Patientinnen?
Der Kontakt zu meinen Patientinnen und Patienten spielt eine sehr große Rolle in meinem Berufsalltag. Es erfüllt mich sehr, wenn jemand mir vertraut und sich der psychische Zustand der Person Schritt für Schritt stabilisiert. Von vielen Menschen und deren Erfahrungen kann man selbst so einiges lernen. Vor allem die ältere Generation hat viele Geschichten zu erzählen.

In den somatischen Kliniken liegt der Fokus stärker auf den körperlichen Krankheitsbildern, dort fehlt mir der Kontakt und die Zeit zu meinen Patienten und Patientinnen. Hier in der Klinik kann man Vertrauen aufbauen und auf individuelle Bedürfnisse eingehen. 

Was war bisher das eindrücklichste Erlebnis während Deiner Ausbildung?
Ein besonders eindrückliches Erlebnis hat sich in meinem ersten Praxiseinsatz auf der offenen Akutstation im ersten Ausbildungsjahr ereignet. Dort war ein junger Patient, der im selben Alter wie ich damals war und sich mir, einer für ihn völlig fremden Person, anvertraut hat. Anfangs war er dem Personal ziemlich misstrauisch und zurückhaltend gegenüber. Wir sind bei unserem ersten Gespräch auf dem Gelände umhergelaufen. Er erzählte von für ihn sehr psychisch belastenden Themen und wichtigen Teilen seiner Lebensgeschichte. Er hat sich am Ende dafür bedankt, dass ich ihm einfach nur zugehört habe. 

Vor Kurzem ist ebenfalls etwas passiert, was mir noch lange im Kopf bleiben wird. Ich habe wochenlang in einer Pflegeeinrichtung eine ältere, an Demenz erkrankte Bewohnerin gepflegt und betreut. Allmählich verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand und ihr Sterbeprozess begann. Täglich habe ich sie so versorgt und hübsch gemacht, als wäre es ihr letzter Tag.

Sie konnte nicht mehr mit Worten oder Gesten kommunizieren, also habe ich immer wieder ihre Hand genommen, um ihr zu zeigen, dass jemand bei ihr ist. Ob sie das überhaupt noch wahrgenommen hat, weiß ich nicht. Ich war an ihrem Todestag die letzte Person, die sie gesehen hat, zehn Minuten später ist sie gestorben. Ich weiß, dass ich täglich mein Bestes gegeben habe, sodass ich sie mit bestem Gewissen gehen lassen konnte. 

Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften hast Du während Deiner Ausbildung besonders weiterentwickelt?
Auf jeden Fall hat sich mein Selbstbewusstsein noch weiterentwickelt, vor allem habe ich gelernt, auch mal „Nein“ zu sagen und meine Grenzen zu kennen. Selbst in schwierigen Situationen kann ich ruhig bleiben und weiß, wann ich Hilfe benötige oder wann ich selbst damit umgehen kann. 

Wie wirst Du von Kollegen und Kolleginnen unterstützt?
Absolut! Die Praxisanleiter und -anleiterinnen sind sehr strukturiert und haben meist feste Zeiten für uns Auszubildende. Sie nehmen sich Zeit für uns, gehen auf unseren aktuellen Wissensstand ein.

Mit meinen Kollegen und Kolleginnen im Haus habe ich bisher nur gute Erfahrungen machen dürfen. Sie haben mich, wo ich auch hinkam, immer gut ins Team aufgenommen, sodass ich mich immer gut aufgehoben gefühlt habe. In jedem Dienst habe ich einen Ansprechpartner, an den ich mich bei Fragen und Problemen wenden kann.  

Was sind aus Deiner Sicht die größten Herausforderungen – und wie gehst Du mit ihnen um?
Anfangs ist es sicherlich eine große Herausforderung, seine eigenen Grenzen aber auch Fähigkeiten zu erkennen. Das Thema Personalmangel wird immer ein Problem in der Pflege bleiben. Es wird vorkommen, dass man zu wenig Zeit für seine Patienten und Patientinnen hat und die Dienste mal stressig sein werden. Als Auszubildender hat man das Glück, als zusätzliche Pflegekraft zu zählen. Dies erleichtert auf jeden Fall die Ausbildungszeit, damit man sie umso mehr genießen kann.

Welche Möglichkeiten hast Du bei kbo, Dich über die Ausbildung hinaus weiterzuentwickeln?
Nach der Ausbildung zur Pflegefachfrau habe ich viele Chancen, um mich weiterzuentwickeln. Ich könnte mich im Haus zur Praxisanleiterin oder beispielsweise Aroma-Therapeutin fortbilden. Eine länger andauernde Weiterbildung wäre beispielsweise die zur Psychiatrischen Fachkraft.

Viele Studiengänge, die mit der Pflege zusammenhängen, stehen mir ebenso offen. In der Zukunft werde ich mich ganz bestimmt weiterentwickeln und die Karriereleiter hinaufsteigen. 

Was sollten Jugendliche wissen, die sich für eine Ausbildung bei kbo interessieren?
Traut Euch und lasst das Ganze erst einmal auf Euch wirken! Pflege hat so viele Facetten, vor allem in der Psychiatrie. Fangt an, in verschiedenen Bereichen bzw. Stationen erste Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln. Wenn man Interesse an Psychologie, Pflege und Medizin hat, ist man hier absolut richtig. Schnell kann man hier sein neu erlerntes Wissen in der Praxis anwenden und Neues erleben. 

Würdest Du Dich wieder für die Ausbildung bei kbo entscheiden?
Auf jeden Fall! Die Lehrer und Lehrerinnen sind besonders freundlich und wollen nur das Beste für einen. Allgemein herrscht ein äußerst familiäres Klima hier. Ich kann mich hier weiterentwickeln und in Zukunft stehen mir noch viele weitere Wege offen. Die Mischung aus Theorie und Praxis bereitet mich perfekt auf meinen Abschluss vor. 

Was war Dein erster Eindruck vom Arbeiten in einer psychiatrischen Klinik – und hat sich Dein Bild im Laufe der Ausbildung verändert?
Ich wusste im Vorhinein bereits, dass ich langfristig in einer psychiatrischen Klinik arbeiten möchte. Man hört oft, wie schwierig es denn sei, im psychiatrischen Bereich zu arbeiten. Unvoreingenommen bin ich in die Ausbildung gegangen und war direkt am Anfang positiv überrascht. Es hat immer wieder kleine Aufs und Abs in dieser Zeit gegeben, so wird es jedoch immer im Leben sein. Mein Blick ist und bleibt positiv. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Voraussetzungen für eine Ausbildung bei kbo:

  • Schulabschluss: Mittlerer Bildungsabschluss oder Hauptschulabschluss plus abgeschlossene zweijährige Ausbildung (z. B. Krankenpflegehilfe)

  • Polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge

  • Gesundheitliche Eignung durch ärztliches Attest bestätigt

  • Deutschkenntnisse: mind. B2-Niveau

Weitere Informationen zur Ausbildung bei kbo gibt es unter kbo.de/ausbildung.