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Gertrud Huber

"Sie kommen erwachsener zurück."

Zusammenfassung: Zu erleben, wie der Pflegeberuf in anderen Ländern ausgeführt wird, erweitert den Horizont auf fachlicher und persönlicher Ebene. Bei kbo können Auszubildende mit dem Erasmus-Programm Auslands-Erfahrungen sammeln und werden dabei begleitet.

Von Nina Schinharl am

Themen:

Ein Auslandsaufenthalt lässt Auszubildende beruflich und persönlich wachsen.

Gertrud Huber betreut am kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg am Inn Schülerinnen und Schüler, die am Erasmus+-Programm teilnehmen. Worauf Interessierte achten müssen, erklärt sie im Interview.

Wer kann an einem Erasmus+-Austausch teilnehmen?
Gertrud Huber: An dem Erasmus-Austausch können Auszubildende teilnehmen, die sich für einen Austausch interessieren, die gerne Auslandserfahrung sammeln. Aber sie müssen auch bestimmte Voraussetzungen mitbringen: Sie müssen volljährig sein, soziale Kompetenzen haben und auch entsprechendes pflegefachliches Wissen vorweisen können.

Wie lange dauert ein Austausch?
Der Aufenthalt dauert in der Regel vier bis fünf Wochen. Meistens wird auch ein Sprachkurs gewünscht, wenn es wohin geht, wo die Sprachkenntnisse nicht so gut sind. Und dann gibt es eine Woche Sprachkurs vorab.

Wie teuer ist so ein Aufenthalt?
Das ist sehr unterschiedlich. Es gab beispielsweise schon einen Austausch nach Island, da hat die Teilnehmerin einige Tausende von Euros bezahlt. Handelt es sich um Länder in der Nähe, wie Österreich oder Staaten, die auch keine so hohen Lebenshaltungskosten haben, wird der Austausch natürlich entsprechend günstiger. Es hängt auch davon ab, wie viel die Teilnehmenden in der Freizeit unternehmen.

Wie begleiten Sie die Austausch-Teilnehmenden?
Es gibt eine Infoveranstaltung, da können Interessierte sich schon mal überlegen, ob sie sich einen Austausch vorstellen können, und dann können sie sich dafür bewerben. Wir besprechen dann von Zeit zu Zeit immer wieder die nächsten Schritte.

Wie viele Auszubildende können an einem Austausch mitmachen?
Es ist nicht direkt eine Begrenzung gegeben. Erfahrungsgemäß sind es in der Regel so zwischen zwei und vier bis fünf Auszubildende, die dafür infrage kommen.

Wie kompliziert ist die Organisation eines Austauschs?
Das ist schon sehr kompliziert. Es ist ein sehr hoher bürokratischer Aufwand. Es dauert ungefähr neun Monate, bis die Auszubildenden entsendebereit sind.

Wie werden die Austausch-Orte ausgewählt?
Dafür haben wir einen Projektpartner und sie bekommen Auswahlmöglichkeiten. Wir versuchen stets, die Wünsche unserer Auszubildenden zu erfüllen. Aber im Prinzip ist dafür eben dann die Projektorganisation zuständig.

Wie beurteilen Sie die fachliche Entwicklung der Erasmus-Teilnehmenden?
Sie machen eine gute fachliche Entwicklung durch, vor allem im sozialen, im kommunikativen Bereich. Sie lernen mit Problemen, die auftreten, so umzugehen, dass sie auch mal spontan reagieren können, wenn sie auf sich allein gestellt sind. Sie kommen erwachsener zurück, als sie entsendet worden sind.

Wie bereichert so ein Austausch die persönliche Entwicklung?
Es ist schon eine sehr lehrreiche Erfahrung. Die Auszubildenden sagen auch immer, es ist eine Erfahrung fürs Leben, weil man neben den sprachlichen Kenntnissen auch kennenlernt, wie woanders gearbeitet wird. Es gibt große Unterschiede, selbst im europäischen Bereich, also davon können die Teilnehmenden sehr viel profitieren und auch sehr viel mitnehmen.

Welche signifikanten Unterschiede gibt es zu anderen Ländern?
Am meisten ist aufgefallen, dass es Unterschiede gibt in der Aufgabenaufteilung der Pflegefachpersonen. In allen europäischen Staaten gibt es eine klare Trennung von Pflegefachhelfern und von examinierten Pflegefachpersonen, was den Aufgabenbereich betrifft.

Wie profitiert kbo von einem Austausch?
Für kbo ist es natürlich ein Zugpferd. Es gibt immer wieder Bewerberinnen und Bewerber, die uns konkret auf diese Möglichkeit ansprechen und sich dann für unsere kbo-Berufsfachschule entscheiden.

Was würden Sie Auszubildenden raten, die noch unentschlossen sind?
Ich würde auf alle Fälle empfehlen, dass sie sich bewerben, dass sie es ausprobieren, auch wenn sie unsicher sind. Wir helfen ihnen in dieser Phase der Bewerbung und manche merken dann schon: Okay, das ist doch nichts für mich. Das ist auch kein Problem.

Danke für das Gespräch.

Shortfacts zum Erasmus-Austausch:

  • Voraussetzungen: 
    - Volljährigkeit
    - soziale Kompetenzen
    - pflegefachliche Kompetenzen
    - eventuell ein Sprachkurs

  • Dauer des Aufenthalts: 
    vier bis fünf Wochen

  • Austauschorte:
    - es wird versucht, Wünsche zu berücksichtigen
    - für Ortsauswahl ist Projektorganisation zuständig

  • Kosten:
    variieren je nach Aufenthaltsort