Eine moderne Kinder- und Jugendpsychiatrie aktiv mitgestalten
Zusammenfassung:
Wie kann moderne Kinder- und Jugendpsychiatrie heute aussehen? Welche Rolle spielt dabei der Pflege- und Erziehungsdienst (PED)? Und wie lassen sich Fachlichkeit, Haltung und individuelle Begleitung von Mitarbeitenden nachhaltig weiterentwickeln?
Mit der neu geschaffenen Stabsstelle „Pflege- und Erziehungsdienst Entwicklung“ geht das kbo-Heckscher-Klinikum einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft. Seit März 2025 füllt Manuel Braunisch, Gesundheits- und Krankenpfleger, diese Position mit Leben und gestaltet die Entwicklung der Pflege aktiv mit.
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Themen:
Vom Stationsalltag zur strategischen Pflegeentwicklung
Manuel Braunisch ist seit 2016 Teil des kbo-Heckscher-Klinikums. Seine berufliche Laufbahn führte ihn von der Akutaufnahme über eine offene Krisenstation bis hin zur stellvertretenden Stationsleitung. Parallel qualifizierte er sich kontinuierlich weiter, unter anderem als PAIR-Deeskalationstrainer, Safewards-Trainer sowie durch den erfolgreichen Abschluss der Fachweiterbildung zur Fachkraft im Pflege- und Erziehungsdienst (PED) der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Was ihn an der neuen Stabsstelle besonders reizte, war die Möglichkeit, seine fachliche Expertise gezielt einzubringen und gleichzeitig neue Strukturen mitzugestalten.
„Mich hat das Fachliche immer besonders interessiert. In dieser Stelle kann ich mich ganz auf medizinisch-pflegerisches und erzieherisches Know-how konzentrieren und aktiv mitentwickeln.“
Da die Position neu geschaffen wurde, eröffnet sie großen Gestaltungsspielraum: von Fortbildungsformaten über Onboarding-Konzepte bis hin zur klinikweiten Vernetzung.
Individuelles Onboarding statt Einheitslösung
Ein zentrales Thema in Manuel Braunischs Arbeit ist die Einarbeitung neuer Mitarbeitender im Pflege- und Erziehungsdienst. Ziel ist ein individuelles, wertschätzendes Onboarding, das fachliche Sicherheit vermittelt und gleichzeitig Haltung transportiert.
Das Konzept orientiert sich an erfolgreichen Modellen innerhalb des kbo-Verbunds, wurde jedoch gezielt auf die Besonderheiten der Kinder- und Jugendpsychiatrie angepasst.
„Nicht alle neuen Mitarbeitenden bringen die gleichen Voraussetzungen mit. Jemand, der lange in der Kinderkrippe gearbeitet hat, braucht etwas anderes als jemand aus der Erwachsenenpsychiatrie.“
Geplant ist ein Training-on-the-Job-Angebot, bei dem neue Mitarbeitende standortübergreifend begleitet werden. Der Fokus liegt auf individueller Unterstützung, fachlichem Austausch und einem gemeinsamen Verständnis von professioneller Haltung. Der Start ist für 2026 vorgesehen.
Fachliche Fortbildung mit Praxisbezug
Neben der Personalentwicklung verantwortet Manuel Braunisch auch fachliche Schulungen für den PED. Dazu zählen unter anderem Medikamentenschulungen mit praxisnaher Ausrichtung sowie eine neue Fortbildungsreihe zu relevanten Störungsbildern in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Den Auftakt bildet eine Schulung zu affektiven Störungen und Depressionen, dem häufigsten Krankheitsbild im Klinikalltag.
„Es geht nicht um pharmakologische Details, sondern darum: Woran erkenne ich Wirkung? Welche Nebenwirkungen sind relevant? Und welche Interventionen kann der Pflege- und Erziehungsdienst konkret leisten?“
Gerade in der Ausbildung von Pflegekräften und Erzieherinnen und Erziehern komme das Themenfeld Kinder- und Jugendpsychiatrie oft zu kurz. Die Fortbildungen sollen hier gezielt Wissenslücken schließen.
Warum eine eigene Stabsstelle für den PED so wichtig ist
Die Bündelung dieser Aufgaben in einer Stabsstelle verleiht der Pflegeentwicklung eine neue Qualität. Manuel Braunisch verfügt über die zeitlichen Ressourcen, um klinikweite Themen strategisch zu bearbeiten – unabhängig vom Stationsalltag.
Er ist direkt der Pflege- und Erziehungsdirektorin Lena Heyelmann zugeordnet und arbeitet standortübergreifend. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem:
- Projektleitung Safewards
- Mitarbeit in kbo-weiten Arbeitskreisen zur Pflegeentwicklung
- Mitarbeit in fachlichen Netzwerken der Kinder- und Jugendpsychiatrie
- Trainertätigkeit und organisatorische Unterstützung der PAIR-Trainerinnen und -Trainer
So wird Pflegeentwicklung strukturell verankert und nachhaltig vorangebracht.
Ein neues Arbeiten mit strategischem Blick
Nach einem guten halben Jahr zieht Manuel Braunisch ein positives Zwischenfazit. Der Wechsel vom Schichtdienst in eine strategische Rolle sei eine große Umstellung gewesen – zugleich aber eine enorme Chance.
„Ich muss heute viel langfristiger denken und planen. Aber genau das macht es spannend: Man tritt nicht in Fußstapfen, sondern kann eigene Ideen einbringen.“
Die regelmäßigen Abstimmungen mit der Pflegedirektion bieten dabei fachliche und organisatorische Orientierung.
Nähe zu Patientinnen und Patienten – auch ohne Stationsarbeit
Die direkte Arbeit mit Patientinnen und Patienten vermisst Manuel Braunisch durchaus. Gespräche führen, Gruppen leiten, Beziehung gestalten – all das gehörte lange zu seinem Alltag.
Gleichzeitig erlebt er seine neue Rolle als sinnstiftend: Über den engen Austausch mit den Mitarbeitenden bleibt er nah an der Praxis und an den Herausforderungen des Klinikalltags.
Haltung als Schlüssel moderner Psychiatrie
Besonders wichtig ist Manuel Braunisch das Thema Haltung. Sein Ziel ist eine patientenorientierte Kinder- und Jugendpsychiatrie, die auf Augenhöhe arbeitet, Machtgefälle reduziert und Partizipation stärkt.
„Wir wollen keine Psychiatrie wie vor 40 Jahren. Wir wollen eine moderne, empathische und partizipative Psychiatrie gestalten.“
Grundlage dafür ist ein humanistisches Menschenbild: Patientinnen und Patienten haben sich ihre Situation nicht ausgesucht und sind auf Unterstützung angewiesen – entsprechend verdienen sie Respekt, Wertschätzung und Würde.
Gerade in herausfordernden Situationen, etwa bei freiheitsentziehenden Maßnahmen, sei es entscheidend, die Würde der Betroffenen konsequent mitzudenken.