Digitale Willkommensmappe am kbo-Heckscher-Klinikum Rosenheim
Zusammenfassung:
Ausbildung muss heute mehr leisten als reine Wissensvermittlung. Sie soll Orientierung geben, Sicherheit schaffen, gesetzliche Anforderungen erfüllen und gleichzeitig zu den Lerngewohnheiten neuer Generationen passen.
Das Team von Station 2 des kbo-Heckscher-Klinikums in Rosenheim hat dafür eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Lösung entwickelt: eine digitale Willkommensmappe per QR-Code. Initiiert und umgesetzt wurde das Projekt von Michael Mehrholz aus dem Pflege- und Erziehungsdienst. Sein Ansatz: nicht nur Inhalte digitalisieren, sondern den gesamten Einarbeitungsprozess neu strukturieren.
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Themen:
Warum eine neue Lösung nötig war
Mit dem Pflegeberufegesetz 2020 und der generalistischen Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann sind die Anforderungen an Kompetenzvermittlung und Dokumentation deutlich gestiegen. Für Pflegeschülerinnen und -schüler gilt: Mindestens zehn Prozent der Praxiseinsatzzeit müssen als strukturierte und dokumentierte Praxisanleitung erfolgen. Ohne diese Nachweise ist die Zulassung zur Abschlussprüfung gefährdet.
Praxisanleitung ist damit ein klarer Qualitätssicherungsprozess – organisatorisch anspruchsvoll und eng verzahnt mit Dienstplanung und Stationsalltag. Auf Station 2 sind regelmäßig mehrere Auszubildende gleichzeitig im Einsatz.
Hier zeigten sich die Grenzen klassischer Papiermappen: unübersichtlich, schnell veraltet und wenig kompatibel mit der digitalen Lebenswelt der Generation Z. „Die Mappe wäre irgendwann ein Buch geworden“, beschreibt Mehrholz die Situation.
Die Lösung: digital, aktuell und jederzeit verfügbar
Heute hängt im Stationsbüro ein QR-Code. Wer ihn scannt, landet direkt in der digitalen Willkommensmappe – ohne Ordner, ohne Zettelwirtschaft, ohne langes Suchen. Auszubildende haben ab der ersten Minute Zugriff auf alle relevanten Informationen.
Das reduziert Nachfragen, schafft Transparenz und sorgt für einen einheitlichen Standard in der Einarbeitung. Gleichzeitig bleibt die Mappe flexibel, indem Inhalte kontinuierlich ergänzt, aktualisiert und weiterentwickelt werden. Sie ist bewusst als „Work in Progress“ angelegt und ein echtes Gemeinschaftswerk des Teams.
Berufsgruppenübergreifend und lernorientiert
Ein besonderer Mehrwert liegt in der Struktur: Neben berufsspezifischen Bereichen für Erzieherinnen und Erzieher sowie für Mitarbeitende der Heilerziehungspflege gibt es berufsübergreifende Inhalte zu Krankheitsbildern, Medikamenten und Stationsabläufen. So entsteht ein gemeinsames Wissensfundament.
Die Mappe geht zudem über reine Textinformationen hinaus. Lernvideos, Impulsfragen und kurze Aufgaben ermöglichen unterschiedliche Zugänge für verschiedene Lerntypen und lassen sich flexibel in den Stationsalltag integrieren, z. B. wenn im Frühdienst gerade weniger Betrieb ist.
Das erleichtert besonders introvertierten oder neuen Kolleginnen und Kollegen den Einstieg. Auch internationale Auszubildende profitieren davon. So wurden beispielsweise Inhalte zur Orientierung und Hausvorstellung gezielt weiterentwickelt, um neuen Mitarbeitenden mit internationalem Hintergrund den Start zu erleichtern.
Generationenübergreifende Akzeptanz im Team
Was bei Digitalprojekten oft skeptisch betrachtet wird, hat sich auf Station 2 des kbo-Heckscher-Klinikums in Rosenheim bewährt. Anfangs ungewohnt, dass Auszubildende am ersten Tag direkt ihr Smartphone nutzen, wurde schnell klar: Es dient der Orientierung, nicht der Ablenkung. Die einfache Handhabung überzeugt generationenübergreifend.
Ausgezeichnet und zukunftsweisend
Im Herbst 2025 wurde das Projekt mit dem Praxisanleiterbonus des Bayerischen Landesamts für Pflege in Höhe von 10.000 Euro ausgezeichnet. Bayernweit wurden 180 Konzepte gefördert. Bemerkenswert: Die digitale Mappe war bereits im Einsatz, bevor die Ausschreibung bekannt wurde – der geforderte Praxisnachweis war also längst erbracht.
Für Michael Mehrholz ist klar: Ausbildung ist Zukunftssicherung. Es geht um Versorgungsqualität, Arbeitgeberattraktivität und Nachwuchsgewinnung.
Im Praxisanleitenden-Team des kbo-Heckscher-Klinikums stößt das Thema digitale Lernplattformen auf große Resonanz. Weitere Mappen sind bereits in Planung. Pflege- und Erziehungsdirektorin Lena Heyelmann unterstützt den strategischen Ausbau der Ausbildungskapazitäten quantitativ wie qualitativ.
Station 2 zeigt: Digitalisierung funktioniert dann, wenn sie pragmatisch ist, im Alltag hilft und von den Menschen getragen wird, die damit arbeiten.