Dr. Tobias Winkler, Chefarzt der Neurologie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum, gibt Tipps zur Schlaganfall-Prävention und zum richtigen Verhalten im Notfall.
Wie wir einem Schlaganfall vorbeugen können
„Regelmäßig spazieren gehen, das Fahrrad anstelle des Autos nehmen und frisch kochen“
Ein Schlaganfall trifft Betroffene meist unerwartet, doch die Ursachen entwickeln sich oft über viele Jahre. Dr. Tobias Winkler, Chefarzt der Neurologie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum, erklärt, wie jede und jeder das eigene Risiko senken kann, worauf im Notfall zu achten ist und warum Prävention so entscheidend ist.
Schlaganfall-Prävention beginnt im Alltag
„Vorbeugen heißt im Alltag vor allem Verantwortung für den eigenen Körper übernehmen“, sagt Dr. Winkler. Seine Empfehlungen sind bewusst einfach gehalten: regelmäßig spazieren gehen, öfter das Fahrrad statt des Autos nutzen und möglichst frisch kochen.
Eine gesunde Lebensweise ist die wichtigste Grundlage, um einem Schlaganfall vorzubeugen. Dazu gehören:
- regelmäßige Bewegung
- eine ausgewogene Ernährung
- der Verzicht auf Nikotin
- ein moderater Umgang mit Alkohol
Vor allem stark verarbeitete Lebensmittel mit viel Salz, Zucker und tierischen Fetten gelten als Risikofaktoren. Wer raucht, sollte unbedingt aufhören – das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt deutlich. Ebenso wichtig sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt, um Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder Diabetes frühzeitig zu erkennen.
Die wichtigsten Risikofaktoren für Schlaganfälle
An erster Stelle steht der Bluthochdruck – häufig über Jahre unbemerkt. „Ein erhöhter Blutdruck kann bereits lange Schäden an Gefäßen und Gehirn verursachen, bevor Beschwerden auftreten“, so Winkler.
Weitere Risikofaktoren sind:
- Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Übergewicht
- Diabetes
- Fettstoffwechselstörungen
Auch chronischer Stress, Schlafmangel und übermäßiger Alkoholkonsum belasten den Körper zusätzlich.
Zwar sind ältere Menschen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet, doch zunehmend betrifft es auch 30- bis 60-Jährige häufig infolge ungesunder Lebensweise oder unbehandelten Bluthochdrucks. Personen mit familiärer Vorbelastung oder einer bereits durchgemachten TIA („Mini-Schlaganfall“) sollten besonders aufmerksam sein.
Blutdruck im Blick behalten
Für Dr. Winkler steht die regelmäßige Blutdruckkontrolle im Mittelpunkt der Vorsorge. Die „Nationale Versorgungsleitlinie Hypertonie“ empfiehlt ab dem 18. Lebensjahr eine jährliche Messung.
Der obere (systolische) Wert gilt als besonders entscheidend:
- 120–129 mmHg: normal
- 130–139 mmHg: hoch-normal
Bis zum 65. Lebensjahr sollten systolische Werte unter 130 mmHg, danach unter 140 mmHg angestrebt werden.
Schlaganfall erkennen: Die BE FAST-Regel
Ein Schlaganfall zeigt sich meist durch typische Warnzeichen: halbseitige Lähmungen oder Gefühlsstörungen, Sprachprobleme, Sehstörungen oder ein schiefer Mundwinkel. Auch starker Schwindel oder plötzliche Gangunsicherheit können Hinweise sein.
Die FAST-Regel hilft beim schnellen Erkennen:
- Balance: Liegt eine Gleichgewichtsstörung vor?
- Eyes:Liegt eine Sehstörung und/oder ein Sehverlust vor?
- Face: Ist eine Gesichtshälfte gelähmt?
- Arms: Können beide Arme gleichzeitig gehoben werden?
- Speech: Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
- Time: Bei einem dieser Anzeichen sofort die 112 rufen!
„Time is brain“ – jede Minute zählt. Ohne Behandlung sterben pro Minute rund zwei Millionen Nervenzellen ab.
Richtig handeln im Notfall
Der wichtigste Schritt ist der sofortige Notruf. Ersthelfer sollten die betroffene Person beruhigen, nicht allein lassen und möglichst flach lagern. Getränke oder Medikamente sollten nicht gegeben werden, da Schluckstörungen bestehen können.
Auch wenn die Symptome nach kurzer Zeit verschwinden, ist eine sofortige ärztliche Abklärung notwendig. Eine TIA kann ein Vorbote für einen schweren Schlaganfall sein.
Moderne Versorgung in Wasserburg am Inn
Rund 450 Schlaganfallpatientinnen und -patienten werden jährlich am kbo-Inn-Salzach-Klinikum behandelt. In der zertifizierten Stroke Unit arbeiten Spezialisten rund um die Uhr zusammen in enger Kooperation mit der RoMed Klinik mit Zugang zu moderner Bildgebung, Labor und Intensivmedizin.
Nach der Akutversorgung beginnt frühzeitig die Rehabilitation. Ein interdisziplinäres Team aus Neurologie, Physio- und Ergotherapie, Logopädie und Psychologie begleitet die Patientinnen und Patienten mit dem Ziel, verloren gegangene Funktionen bestmöglich wiederherzustellen und die Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.