Dr. Ruth Höfter, ehemalige Chefärztin im Suchtbereich am kbo-Inn-Salzach-Klinikum, ist überzeugt: „Stabile Beziehungen sind der beste Schutz, um die psychische und damit auch die körperliche Gesundheit zu schützen.“
Freundschaft – Schutzschild für die Seele
Wie Freundschaft unsere psychische und körperliche Gesundheit stärkt
Freundschaft ist kein Luxus, sondern eine Lebensnotwendigkeit – ein entscheidender Faktor für seelische und körperliche Gesundheit. Sie schützt vor Einsamkeit, stärkt die Resilienz und gibt uns das Gefühl, nicht allein zu sein.
Ein Beitrag mit Dr. Ruth Höfter, ehemalige Chefärztin im Suchtbereich am kbo-Inn-Salzach-Klinikum
Freundschaft als Lebenselixier
Freundschaft ist weit mehr als ein schönes Extra im Leben. Sie ist essenziell für unsere seelische Gesundheit. „Enge, vertrauensvolle Beziehungen geben uns das Gefühl, gesehen, akzeptiert und getragen zu werden“, erklärt Dr. Ruth Höfter. Diese emotionale Verbundenheit wirkt sich unmittelbar auf unser psychisches Gleichgewicht aus.
Studien zeigen: Menschen mit stabilen Freundschaften leiden seltener an Depressionen oder Ängsten und empfinden eine höhere Lebenszufriedenheit. Freundschaften wirken wie ein psychologischer Schutzschild gegen die Belastungen des Alltags – sie geben Halt, Zuversicht und emotionale Stabilität.
Einsamkeit – das unterschätzte Gesundheitsrisiko
Wo Freundschaft schützt, kann Einsamkeit krank machen. „Einsamkeit ist kein bloßes Gefühl, sondern ein realer Gesundheitsfaktor“, so Höfter. Chronische Einsamkeit kann zu Depressionen, Angststörungen oder sogar Suchtverhalten führen. Auch körperliche Folgen sind nachgewiesen: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlafstörungen steigt deutlich.
Besorgniserregend ist, dass sich immer mehr Menschen einsam fühlen, besonders junge Erwachsene zwischen 19 und 22 Jahren. Während Einsamkeit früher vor allem ältere Menschen betraf, hat sich das Bild in den letzten Jahren stark verändert. Höfter führt dies auch auf veränderte Kommunikationsformen zurück: „Social Media schafft oft viele Kontakte, aber nicht immer echte Nähe.“
Strategien gegen Einsamkeit
Der wirksamste Schutz gegen Einsamkeit sind stabile soziale Beziehungen. Schon kleine Schritte können helfen: ein Telefonat, der Kontakt zur Nachbarschaft, ein Vereinsbeitritt oder das Engagement im Ehrenamt. Auch Haustiere können emotionale Nähe spenden.
Wenn sich jedoch über Wochen oder Monate ein Gefühl von Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder sozialem Rückzug einstellt, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Psychotherapeutische Angebote, Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen bieten hier wichtige Unterstützung.
Qualität statt Quantität
Wie viele Freundschaften braucht es, um glücklich zu sein? „Das lässt sich nicht pauschal sagen“, erklärt Dr. Höfter. Entscheidend sei nicht die Anzahl, sondern die Tiefe der Beziehungen. Für manche reicht eine enge Freundschaft, um sich getragen zu fühlen – andere schöpfen Energie aus einem größeren Netzwerk. Wichtig sei vor allem, dass Freundschaften auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und emotionaler Nähe beruhen.
Wenn Freundschaften schaden
Doch nicht jede Freundschaft tut gut. „Wer dauerhaft gibt, ohne etwas zurückzubekommen, oder sich ständig schuldig fühlt, lebt möglicherweise in einer toxischen Freundschaft“, warnt Höfter. In solchen Beziehungen ist es wichtig, Grenzen zu setzen und im Zweifel auch loszulassen. Das sei zwar schmerzhaft, aber langfristig heilsam.
Frühe Erfahrungen prägen, doch Veränderung ist möglich
Unsere Fähigkeit, Freundschaften zu schließen, wurzelt oft in der Kindheit. Wer damals Vertrauen und Geborgenheit erlebt hat, kann später leichter stabile Beziehungen führen. Wer hingegen Enttäuschung, Verlust oder Misstrauen erfahren hat, trägt diese Muster oft weiter.
Doch Höfter betont: „Diese Prägungen sind nicht unumkehrbar. Auch im Erwachsenenalter sind neue, heilsame Beziehungserfahrungen möglich – in Freundschaften ebenso wie in einer therapeutischen Beziehung.“