Zum Seitenanfang

11. kbo-Fachsymposium

Unter dem Motto „Moderne Psychiatrie gemeinsam gestalten – im Spannungsfeld von Sicherheit und Entstigmatisierung“ kamen Fachleute aus Medizin, Pflege, Wissenschaft, Politik, Selbsthilfe und Angehörigenvertretungen zum 11. kbo-Fachsymposium am 17. Juni 2026 in der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern zusammen, um aktuelle Herausforderungen und zukunftsweisende Lösungsansätze für die psychiatrische Versorgung zu diskutieren.

Impulse aus Politik, Wissenschaft und Praxis

Nach der Begrüßung durch den kbo-Vorstandsvorsitzenden Franz Podechtl eröffneten Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention Judith Gerlach sowie der oberbayerische Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger die Veranstaltung mit ihren Grußworten.

Durch den Tag führten Prof. Dr. Michael Landgrebe sowie die Pflegedirektorinnen Kerstin Weinisch, Lena Heyelmann und Christina Kießling mit ihrer Moderation und sorgten für den fachlichen roten Faden zwischen den unterschiedlichen Perspektiven und Themenfeldern.

Die Vorträge am Vormittag beleuchteten zentrale Aspekte moderner psychiatrischer Versorgung: von evidenzbasierten Strategien gegen Stigmatisierung über die Frage, wie Psychiatrie als sicherer Raum gestaltet werden kann, bis hin zum Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Selbstbestimmung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Expertinnen und Experten zeigten auf, wie Inklusion gefördert, Freiheitsrechte gewahrt und gleichzeitig Schutzbedürfnisse berücksichtigt werden können.

Zwang vermeiden, Selbstbestimmung stärken

Am Nachmittag stand die neue S3-Leitlinie zur Verhinderung von Zwang im Mittelpunkt. Prof. Dr. Tilman Steinert erläuterte Hintergründe, Entwicklungen und kontroverse Diskussionen rund um das Thema. Die Beiträge machten deutlich, dass die Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen und die Stärkung von Selbstbestimmung und Teilhabe zentrale Ziele einer modernen Psychiatrie sind.

Anschließend präsentierten Mitarbeitende aus den kbo-Kliniken konkrete Praxisbeispiele. Vorgestellt wurden unter anderem innovative Ansätze wie die Weiterentwicklung von Time-out-Konzepten, die Arbeit der kbo-Präventionsstelle München, Deeskalationstrainings, das Safewards-Konzept sowie die Wirksamkeit von EX-IN-Genesungsbegleitung. Die Beiträge zeigten, wie Haltung, Prävention und Sicherheit im klinischen Alltag miteinander verbunden werden können.

Brücken bauen zwischen Sicherheitsbedürfnis und Entstigmatisierung

Ein besonderer Höhepunkt war die abschließende Round-Table-Diskussion. Vertreterinnen und Vertreter aus Medien, Politik, Wissenschaft, Selbsthilfe, Angehörigenarbeit und Versorgungspraxis diskutierten darüber, wie gesellschaftliche Sicherheitsdebatten geführt werden können, ohne Menschen mit psychischen Erkrankungen zu stigmatisieren. Dabei wurde deutlich, dass Aufklärung, differenzierte Berichterstattung und der Einbezug von Betroffenenperspektiven entscheidende Voraussetzungen für eine sachliche öffentliche Diskussion sind.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Das 11. kbo-Fachsymposium machte deutlich: Sicherheit und Entstigmatisierung sind keine Gegensätze. Vielmehr braucht es eine Psychiatrie, die Schutz bietet, Teilhabe ermöglicht und die Würde jedes Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die zahlreichen Impulse, Diskussionen und Praxisbeispiele lieferten wertvolle Anregungen für die Weiterentwicklung psychiatrischer Versorgung und unterstrichen die Bedeutung eines kontinuierlichen Dialogs zwischen allen Beteiligten.

Die Veranstaltung setzte damit ein starkes Zeichen für eine moderne, inklusive und zukunftsfähige Psychiatrie.

18. Juni 2026