
München, 25.06.2026 – Mehr Prävention, weniger Stigmatisierung und ein Sicherheitsverständnis, das auf Beziehung, Teilhabe und Verlässlichkeit statt auf Kontrolle setzt: Diese Leitgedanken prägten das 11. kbo-Fachsymposium „Moderne Psychiatrie gemeinsam gestalten – im Spannungsfeld von Sicherheit und Entstigmatisierung“.
Sicherheit und Selbstbestimmung sind keine Gegensätze. Zu diesem Ergebnis kamen die Teilnehmenden des Symposiums, die aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für die psychiatrische Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen diskutierten. Rund 380 Fachleute aus Politik, Medizin, Therapie, Pflege, Selbsthilfe und Wissenschaft kamen dazu Mitte Juni in der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern zusammen.
Im Mittelpunkt standen neue Erkenntnisse darüber, wie Sicherheit in der Psychiatrie entstehen kann. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxiserfahrungen zeigen, dass Verlässlichkeit, therapeutische Beziehungen, Transparenz und die aktive Einbeziehung der Betroffenen entscheidende Voraussetzungen für ein sicheres Behandlungsumfeld sind.
Auch die Vermeidung von Zwangsmaßnahmen spielte eine wichtige Rolle. Diskutiert wurden Ansätze, die Krisen frühzeitig erkennen, Eskalationen verhindern und Menschen in psychischen Ausnahmesituationen möglichst freiwillige und passgenaue Unterstützung bieten. Dabei wurde deutlich, dass Prävention, Deeskalation und partizipative Behandlungsmodelle wesentlich dazu beitragen, Zwang auf das unvermeidbare Minimum zu reduzieren.
Ein weiterer Schwerpunkt war die gesellschaftliche Wahrnehmung psychischer Erkrankungen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Stigmatisierung weiterhin eine große Hürde für Betroffene darstellt. Vorurteile erschwerten häufig die Inanspruchnahme von Hilfe und beeinträchtigten die gesellschaftliche Teilhabe. Umso wichtiger seien Aufklärung, Begegnung und die aktive Einbindung von Menschen mit eigener Krankheitserfahrung.
Mit Blick auf den Veranstaltungsort im Herzen Münchens hob Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach hervor, dass psychische Erkrankungen stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken müssen: „Psychiatrie dient mehr als nur der Behandlung. Sie ist ein sicherer Hafen für Menschen mit akutem Hilfebedarf. Damit sie aber auch so wahrgenommen wird, müssen wir offen über psychische Gesundheit sprechen. Das kann Betroffene ermutigen, Hilfe zu suchen, und ein akzeptierendes und wertschätzendes Miteinander fördern. Der Freistaat hat in den vergangenen 25 Jahren bereits rund 1,3 Milliarden Euro an Fördermitteln für Ausbau und Modernisierung der akutpsychiatrischen Behandlungseinrichtungen in Bayern zur Verfügung gestellt, 177 Millionen Euro davon für die Neustrukturierungen der kbo-Kliniken in Haar und Wasserburg.“
Auch der Bezirk Oberbayern unterstrich die Bedeutung einer modernen und menschenorientierten Psychiatrie. Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger betonte: „Sicherheit in der Psychiatrie darf nicht mit Kontrolle verwechselt werden. Sie bedeutet vor allem Schutz, Verlässlichkeit und ein vertrauensvolles Behandlungsumfeld. Moderne Psychiatrie gelingt dort, wo Sicherheit nicht gegen Vertrauen ausgespielt wird.“
Franz Podechtl, Vorstandsvorsitzender des kbo-Verbundes, ergänzte: „Wie wir Menschen in psychischen Krisen begegnen, sagt viel über unser gesellschaftliches Selbstverständnis aus. Moderne Psychiatrie muss Sicherheit gewährleisten, ohne Würde, Freiheit und Teilhabe aus dem Blick zu verlieren. Sicherheit und Menschlichkeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“
Das kbo-Fachsymposium machte deutlich, dass moderne Psychiatrie weit über die Behandlung psychischer Erkrankungen hinausgeht. Sie verbindet medizinische Versorgung mit Teilhabe, Selbstbestimmung und gesamtgesellschaftlicher Verantwortung. Sicherheit entsteht dort, wo Menschen Unterstützung erhalten, ohne ausgegrenzt zu werden – und wo psychische Gesundheit als selbstverständlicher Teil menschlicher Lebenswirklichkeit in der Mitte der Gesellschaft verankert ist.
Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo)
Seit Anfang 2007 arbeiten die Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo) unter dem Dach eines Kommunalunternehmens zusammen. kbo ist ein Verbund von Kliniken und ambulanten Einrichtungen für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Neurologie und Sozialpädiatrie. Rund 9.100 Mitarbeitende behandeln, pflegen und betreuen unsere Patientinnen und Patienten. Diese Leistungen bietet kbo stationär, teilstationär und ambulant – wohnortnah in ganz Oberbayern an über 50 Standorten. Die gemeinsamen Werte Sicherheit, Nähe und Vielfalt zeichnen uns aus.
Zu kbo gehören:
• kbo-Donau-Altmühl-Kliniken
• kbo-Heckscher-Klinikum
• kbo-Inn-Salzach-Klinikum
• kbo-Isar-Amper-Klinikum
• kbo-Kinderzentrum München
• kbo-Lech-Mangfall-Kliniken
• kbo-Sozialpsychiatrisches Zentrum
• kbo-Medizinisches Versorgungszentrum Bad Tölz
• kbo-Ambulanter Psychiatrischer Pflegedienst
• Autismuskompetenzzentrum Oberbayern
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